{"id":1584,"date":"2025-05-17T11:01:24","date_gmt":"2025-05-17T17:01:24","guid":{"rendered":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/?p=1584"},"modified":"2025-05-17T11:01:24","modified_gmt":"2025-05-17T17:01:24","slug":"discurso-de-agradecimiento-por-la-goethe-medaille-2024-en-aleman-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/discurso-de-agradecimiento-por-la-goethe-medaille-2024-en-aleman-2\/","title":{"rendered":"Discurso de agradecimiento por la Goethe-Medaille 2024 (en alem\u00e1n)"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Frau Lentz, liebe Olga Grjasnowa, liebe Pia Entenmann, liebe Martina Bartel, lieber Willy Schumann, sehr geehrte Jurymitglieder:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Liebe Freunde und Freundinnen:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Meine Lebensgeschichte und meine Beziehung zu Deutschland haben mit einem historischen Ereignis zu tun, das sich in einem Hotel am Rhein \u2015 in Bad Godesberg bei Bonn \u2015 abgespielt hat. 1942 wurden dort mein mexikanischer Gro\u00dfonkel und seine Frau, eine ungarische J\u00fcdin, zusammen mit mehr als 100 lateinamerikanischen Diplomaten f\u00fcr \u00fcber ein Jahr von den Nationalsozialisten gefangen gehalten. Unter ihnen befand sich auch Gilberto Bosques, der damalige mexikanische Konsul, der in Marseille so vielen spanischen Republikanern und deutschen Juden und Kommunisten das Leben gerettet hatte. Das nur wenige Kilometer von Weimar entfernte Konzentrationslager Buchenwald erinnert uns an das Schicksal, das sie erwartet h\u00e4tte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eTransit\u201c nannte Anna Seghers ihren Roman, in dem sie so plastisch die dramatischen Umst\u00e4nde beschreibt, unter denen Bosques in Marseille vielen Menschen im letzten Moment zu einer Schiffspassage nach Mexiko verhelfen konnte \u2013 ich hatte das gro\u00dfe Privileg, diesen Roman vor kurzem neu zu \u00fcbersetzen, was mir auch das Schicksal meiner beiden Verwandten nochmals ganz anders nahegebracht hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn auch ihnen hat Bosques damals das Leben gerettet. 1944 gingen beide, zusammen mit anderen Gefangenen aus Bad Godesberg, nach Mexiko. Mein Gro\u00dfonkel kehrte zur\u00fcck in sein Land, zu seiner Familie und seiner Sprache. F\u00fcr meine Gro\u00dftante bedeutete die Reise dagegen das Exil in einem fremden Land, wo sie niemanden kannte und dessen Sprache sie nicht verstand.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz der schmerzlichen Erfahrung, die sie in Deutschland gemacht hatten, schickten beide Jahre sp\u00e4ter ihre einzige Tochter ausgerechnet auf die Deutsche Schule in Mexiko-Stadt. Zum einen, weil mein Gro\u00dfonkel, ein Philosoph, ein gro\u00dfer Verehrer der deutschen Kultur war (\u201eDie Nazis sind <i>nicht <\/i>die Deutschen\u201c, pflegte er zu sagen); zum anderen, weil meine Gro\u00dftante dadurch die M\u00f6glichkeit hatte, an ihre europ\u00e4ischen Wurzeln anzukn\u00fcpfen und wieder Deutsch zu sprechen, das sie in ihrer Kindheit in \u00d6sterreich-Ungarn gelernt hatte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Fast 20 Jahre sp\u00e4ter folgte ich den Fu\u00dfstapfen meiner Tante: auch ich ging auf die Deutsche Schule in Mexiko. Und tats\u00e4chlich hat das mein weiteres Leben entscheidend gepr\u00e4gt. Durch die deutsche Sprache und Kultur bin ich zu der Person geworden, die ich heute bin. Sie hat mir meinen Beruf geschenkt, und viele liebe Menschen. Auch mein Mann, Komplize bei vielen \u00dcbersetzungsprojekten, ist Deutscher. Ein Geschenk war ebenfalls die konstante Auseinandersetzung mit zwei sehr unterschiedlichen Welten. Ich konnte zu einer Br\u00fccke werden \u2015 zwischen der Welt, die meine Gro\u00dftante verlassen musste, und derjenigen, in der sie nie richtig angekommen ist. Ich dagegen f\u00fchle mich in beiden Welten zu Hause. Und versuche jeden Tag die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Entfernung zwischen Deutschland und Mexiko zu verringern und die \u201eFremdheiten\u201c anzun\u00e4hern.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das mache ich nicht nur indem ich B\u00fccher \u00fcbersetze, sondern auch kulturelle Zusammenh\u00e4nge <i>\u00fcber<\/i>setze. \u201e\u00dcber-Setzen\u201c, das sch\u00f6ne, deutsche Wort f\u00fcr \u201evon einem Ufer zum anderen gelangen\u201c: f\u00fcr mich bedeutet das seit knapp 30 Jahren den \u201eSprachozean\u201c zwischen Mexiko und Deutschland tagt\u00e4glich mehrmals zu \u00fcberqueren, mit jedem einzelnen der vielen, vielen Worte und Gedanken, die ich von Deutschland nach Mexiko <i>\u00fcber<\/i>setze.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Daher m\u00f6chte ich, in einer Zeit, wo die Spaltung zwischen Menschen, Parteien, L\u00e4ndern und Kulturen immer gr\u00f6\u00dfer und die Sprache konstant entwertet und missbraucht wird, an die Wichtigkeit der Sprache als eines unserer kostbarsten G\u00fcter der Vermittlung und Vers\u00f6hnung erinnern. Goethe hat nicht umsonst der Sprache sein Leben verschrieben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Herzlichen Dank an all die lieben Menschen, die mich heute hier begleiten. Auch an die, die es nicht bis hierhin geschafft haben. Ohne euch alle h\u00e4tte ich es nicht so weit gebracht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich danke dem Goethe-Institut f\u00fcr die gro\u00dfe Ehre der Goethe-Medaille.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Frau Lentz, liebe Olga Grjasnowa, liebe Pia Entenmann, liebe Martina Bartel, lieber Willy Schumann, sehr geehrte Jurymitglieder:\u00a0 Liebe Freunde und Freundinnen:\u00a0 Sehr geehrte Damen und Herren:\u00a0 Meine Lebensgeschichte und meine Beziehung zu Deutschland haben mit einem historischen Ereignis zu tun, das sich in einem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1585,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39],"tags":[112,111],"class_list":["post-1584","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-blog","tag-distinciones"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1584"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1587,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584\/revisions\/1587"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/claudiacabrera.mx\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}